Archiv des Autors: Christian Hennig

Über Christian Hennig

test

Tag 3

Happy End

Am späten Abend gestern erhielt ich dann doch noch das ersehnte negative Ergebnis des PCR-Tests. Wie schon vermutet – und natürlich sehr gehofft – fiel er negativ aus. Damit war das Signal da, dass meine Quarantäne damit wieder beendet ist.

Das Ergebnis des PCR-Tests

Ein Stein fällt vom Herzen, ein spontanes Gefühl wiedergewonnener Freiheit stellt sich wieder ein. Alle möglichen Was-wäre-wenn-Szenarien kann ich getrost erst einmal in die berühmte Tonne kloppen – und deutlich entspannter als gestern in den Tag starten.

Was jetzt noch die spannende Frage bleibt – was ist mit meinem ursprünglich für heute Abend geplanten Impftermin? Ich hatte ihn ja bereits am Samstag online erst einmal gecancelt, da ich davon ausgegangen war, dass die Quarantäne länger dauern bzw. das PCR-Testergebnis länger auf sich warten lassen würde. Von all den vielen Tipps, die mich dazu erreichten, fand ich den am besten: einfach zum Impfzentrum hingehen – am besten etwas eher als der geplante Termin -, alle Unterlagen mitnehmen, erläutern, was die aktuelle Sachlage ist und fragen, ob nicht eine unbürokratische Lösung möglich ist.

Und so machte mich dann auf den Weg zum Impfzentrum; gespannt, ob und was wird. Und siehe da: vor Ort interessierte sich niemand für meine Geschichte! Zwar fand man mich am ersten Checkpoint nicht auf der ausgedruckten Liste und schickte mich zu einem zweiten, mit EDV ausgestatteten Checkpoint. Auf die Unterlage wurde zuvor ein dickes „M” gemalt – „M” für „Mit Vorbehalt berechtigt” oder „Möglicherweise nicht korrekte Teminbuchung?“ Ich werde es nie erfahren.

Ich befürchtete nun schon, hier am zweiten Checkpoint sei meine „Reise” nun zu Ende – doch auch hier wurden meine Unterlagen nur geprüft und ich dann weitergeschickt – bevor ich überhaupt dazu kam, ausführlich meine Vorgeschichte zu erzählen. Auch das Wartenümmerchen bekam ich quasi nur pro forma und saß dann schneller in der Impfkabine, als ich gucken konnte. Gepiekst, noch einen Zettel für den zweiten Termin erhalten – und tschüss: ab in den Ruhebereich.

Den Ruhebereich habe ich dann tatsächlich etwas länger für mich in Anspruch genommen – nicht wegen Nebenwirkungen, sondern weil ich jetzt erst einmal realisieren musste, dass tatsächlich alles wie geplant geklappt hatte!. Fast erscheint die noch am Samstag erzwungenen Quarantäne bereits wie ein längst zurückliegender schlechter Scherz, die Enttäuschung über die gecancelten Wochenendpläne weicht allmählich großer Freude über die erste „Impfe”.

Als ich das Impfzentrum wieder verlasse, scheint eine wunderschöne Abendsonne. Ich packe Gute-Laune-Musik auf die Kopfhörer und spaziere beschwingt los – schließlich gilt es ja noch, auch heute wieder mindestens 8.500 Schritte auf die Uhr zu bekommen. Es werden schließlich sogar 10.400.

Da ein passendes kulinarisches Angebot unterwegs verfügbar ist und zudem verlockend winkt, klingt der Tag bei einer leckeren Portion Sushi aus.

Vielen lieben Dank allen, die während dieses verlängerten Wochenendes an mich gedacht haben, gute Wünsche und Gedanken übermittelten und viele Tipps gaben!

*** HAPPY END ***

Tag 2

Es ist ja wie Sonntag, nur anders…

Nicht nur im Kalender – auch gefühlt ist Tag 2 (wie) ein Sonntag. Man hat ja eh frei, viel unternehmen geht ja derzeit nicht, außer – Moment: da war doch was mit einem ursprünglich für heute geplanten längeren Ausflug, mit geplantem coronakonformen Wiedersehen von lieben Menschen nach langer Pause, vielleicht sogar dem Besuch einer dieser ominösen „Außengastronomien”, von denen seit einigen Tagen permanent in den Medien die Rede ist… Nix da, alles gecancelt!

Ein Wetter zum… Fenster offenstehen lassen 😉

Na gut, das Wetter begrüßt einen beim Wachwerden eh mit viel Regen, der sich allerdings im Tagesverlauf verzieht und ein Wetter zum Rausgehen… Stop! Da ist sie schon, die erste bisherige Selbstverständlichkeit, die plötzlich keine mehr ist. Einfach so mal an die frische Luft – eine vor allem während der verschärfteren Lockdown-Zeit sehr liebgewonnene Betätigung. Was mache ich jetzt mit meinem Bewegungsdrang?

Zu meinem Geburtstag bekam ich einen Fitnesstracker geschenkt, der brav meine täglichen Schritte zählt. Gut, das hat das Smartphone vorher auch schon gemacht, aber der Fitnesstracker ist da genauer und er sammelt auch noch ein paar weitere interessante Körperdaten (aus denen ein ostasiatischer Geheimdienst bestimmt schon ein aussagekräftiges Gesundheitsprofil von mir zusammengestellt hat). Und seitdem meine Krankenkasse mir zudem Challenges anbietet, die beim Erreichen bestimmter Schrittzahlen pro Tag bzw. Woche(n) diverse nette Angebote in Form von Prämien oder Rabatten offeriert, habe ich mein täglich zu erreichendes Schrittminimum recht genau im Blick. Welches sich derzeit auf durchschnittlich 8.500 (!) Schritte täglich beläuft. Und wenn ich das schleifen lasse, ist es auch mit der Challenge Essig…

Und jetzt in der Quarantäne? Da gibt’s doch bestimmt was von Youtube. Und tatsächlich: wenn man nicht nur auf- und abmarschiert, sondern auch noch den ein oder anderen Tanzschritt mit einbaut (und sich dabei an so manche von früher noch gelernte Volkstanz(!)-schritte erinnert…), dann ist am Ende des Tages das Schrittsaldo tatsächlich mehr als ausgeglichen 😉 Und intensives Solo-Tanzen in der Küche bekommt einen völlig neuen Reiz. Auch wenn der nicht informierte Beobachter sich bei meinem Anblick möglicherweise auch einfach nur denken mag: „Dann geh doch einfach aufs Klo, wenn du musst…”

Die Schritte vom Sonntag wurden ausschließlich indoor absolviert!

Und heute kam auch die Idee auf, ein wenig hier im Internet aus meiner Quarantäne zu berichten. Es geht mir weiterhin gut, ich bin weiterhin symptomfrei und fühle mich halt „nur” durch den mir erlaubten Bewegungsradius eingeschränkt. 🙂

Tag 1

Der Schock ist da – und klingt allmählich wieder ab

Jetzt steht man da – mit zwei Zetteln (Ergebnis des Schnelltests und QR-Code für das spätere PCR-Testergebnis) in der Hand und ganz viel Unruhe im Kopf. Der Verstand wünscht sich eine gewohnt kontrolliert-strukturierte Planung der weiteren Vorgehensweise, Herz und Seele haben nachvollziehbar erstmal ganz andere Sorgen: Wie geht’s jetzt weiter?

Das Ergebnis, das man sich beim Schnelltest nun gerade nicht wünscht…

Wo um alles in der Welt kann ich mich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen angesteckt haben? Wieso ist gerade jetzt der Schnelltest positiv ausgefallen? Womöglich (hoffentlich) ist er falsch-positiv? Wen muss ich jetzt alles informieren? Was sind jetzt die nächsten Schritte? Was darf ich noch, was geht nicht mehr? Gefühlt wurde da für mich gerade eine Vollbremsung eingeleitet und ich höre aus den Kulissen schon genüsslich wahlweise Brecht oder John Lennon bezüglich des Lebens und der menschlichen Pläne zitiert…

Als erstes führt der Weg direkt zurück nach Hause. Beruhigen. Atmen nicht vergessen. Das Durcheinander im Kopf sich legen lassen. Prioritäten herausfinden. Strukturen schaffen. Vernünftig vorgehen wollen. Akzeptieren müssen, dass diese Ausnahmesituation erst einmal zur Normalität werden wird.

Als erstes rufe ich die einzigen beiden Menschen, die ich vor 3 Tagen ohne Maske getroffen habe, an und bitte sie, ebenfalls zeitnah einen Schnelltest zu machen. Später stellt sich dieser – Gott sei Dank – als negativ heraus. Dann muss ich denen absagen, die ich in der nächsten Zeit besuchen wollte und auf deren Wiedersehen ich mich nach langer Pause so sehr gefreut hatte. Dann meinen Arbeitgeber informieren, dass ich nach den Feiertagen nicht in die Firma kommen darf. Freunden und lieben Menschen schreiben, was passiert ist und wie ich mich fühle. Ich bekomme umgehend so viele gute Wünsche und Gedanken zurück, dass es schon sehr hilft, dass die Aufregung sich zu legen beginnt.

Am meisten wurmt mich ja die Tatsache, dass ich nun auch meinen schon vor längerer Zeit für übermorgen längst gebuchten Impftermin im Impfzentrum wieder canceln muss. Zwei Tage vor der ersten Impfe ein positives Schnelltestergebnis! Wer schreibt, bitteschön, solche Drehbücher?! Hilft aber alles nichts – eingeloggt ins Impfportal und Termine gelöscht.

Aber dann ist ja heute Abend noch das ESC-Finale aus Rotterdam! Letztes Jahr ausgefallen, davor noch in großer Runde begangen, heute Abend ganz allein vor dem Fernseher… aber per Social Media verbunden mit ganz vielen anderen ESC-Verrückten ist es ein Event, auf das ich mich jetzt aber mal so richtig freue!

Allmählich wird der Kopf klarer, jetzt kann ich mich auch mal um die „Grundbedürfnisse” kümmern: habe ich eigentlich genug zu essen im Haus?! Die erste Inventur erbringt so ein eher mittelprächtiges Ergebnis. Denn selber einkaufen darf ich ja jetzt erst einmal nicht mehr. Aber es gibt doch da diesen neuen Lieferservice, in dessen Zustellgebiet ich rein zufällig falle und der Lebensmittel innerhalb von 12(!) Minuten ganz „FLINK” zuzustellen verspricht. Das ist doch mal die Gelegenheit, das Notwendige mit dem Praktischen zu verbinden: ich klicke mich durch die App, stelle meinen Einkaufszettel zusammen, bestelle – und tatsächlich sind die beiden Tüten noch vor Ablauf der 12 Minuten gebracht! Und dass, obwohl der radelnd-flitzende Zusteller ausgerechnet während eines Wolkenbruchs sich auf den Weg zu mir machen musste. Der Kühlschrank ist wieder voll, das (neue) Leben kann weitergehen.

Noch ist die Unruhe da, noch Energie, die umgesetzt werden möchte: ach ja, die Hausarbeit. Sie erledigt sich auch in Quarantäne nach wie vor nicht von alleine. Damit bin ich nun erst einmal eine Weile beschäftigt. Und da ich auf absehbare Zeit meine Wohnung nicht verlassen werde, fällt sie mal wieder etwas gründlicher aus. Ob und wie ich es mir in meinen eigenen vier Wänden nun schön mache (oder schön habe) – es könnte nicht ganz unwichtig für die nächste Zeit sein. Sogar meine Rosen geben sich auch nach einer Woche „Standzeit” immer noch Mühe…

Am Ende des Tages hat sich die erste Aufregung gelegt – und ich kann jetzt bei einem guten Gläschen noch das Grand Final des ESC 2021 genießen. Schade, dass der deutsche locker-luftige Beitrag so punktarm blieb – trotzdem: thank you for this amazing show tonight!