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Kannze ersma alles vergessen

Da kommt man wochen-, nein monatelang vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie. Man hält sich pingelig an die AHA-L-Regeln, an sämtliche Empfehlungen zum social distancing, schränkt sich und alles, was sonst so das Leben verschönert, so gut es geht ein, freut sich über sinkende Inzidenzzahlen und jeden negativ absolvierten Corona-Schnelltest – ja sogar über den gerade noch so ergatterten und unmittelbar bevorstehenden Impftermin innerhalb der Priorisierungsgruppe 3 – da geht das Leben kurzfristig mal eben anders weiter:

Samstagvormittag im Corona-Schnelltestzentrum: man steht etwas unruhig – natürlich mit Abstand(!) – in der Warteschlange, da man für später schon ein Click & Meet-Zeitfenster gebucht hat. Das Wetter ist windig-nieselregnerisch, aber man kennt das Prozedere ja schon und geht davon aus, dass es – abgesehen von etwas Wartezeit – wie üblich ablaufen wird. Nach der Registrierung geht es zum üblichen Abstrich und in den Wartebereich – hier werden die Testergebnisse zusätzlich noch ausgedruckt ausgehändigt; man kann nicht einfach nach dem Abstrich schon gehen.

Warten und nervös auf die Uhr gucken – schließlich rückt der Zeitpunkt für das Click & Meet-Zeitfenster näher und vor einem warten ja noch eine ganze Reihe anderer Einkaufswilliger auf ihr Testergebnis. Schließlich werde ich aufgerufen – und dann direkt zur Seite genommen… Da ahne ich schon etwas. Plötzlich fühlt man sich wie auf dem Präsentierteller – sitzen doch alle anderen auf ihr Testergebnis Wartenden wie Zuschauer aufgereiht und verfolgen, was da auf der „Bühne” gerade im Gespräch mit der Mitarbeiterin des Testzentrums passiert. Es ist ja nicht schwer zu erahnen, was sie mir jetzt mitteilt: der Schnelltest sei positiv ausgefallen.

Durch den Kopf schießen mir in dem Moment spontan Gedanken wie „kannze ersma alles andere vergessen”, „tja, Pech gehabt” und Ähnliches. Ihre Frage, ob ich sofort einen PCR-Test im Anschluss machen möchte, bejahe ich automatisiert und nehme nur so halb zur Kenntnis, was sie mir noch alles zur weiteren Vorgehensweise in diesem Fall mit auf den Weg gibt. Ich vertraue darauf, dass es das alles noch in schriftlicher Form und ausführlich dargelegt geben wird (ja, gibt es).

Die gute Laune, mit der ich in den Tag bzw. in das Pfingstwochenende gestartet war, ist rapide abgesenkt. Ich lasse natürlich umgehend noch den Abstrich für den PCR-Test abnehmen und erfahre, dass es – feiertagsbedingt – durchaus etwas länger dauern kann, bis das Labor das Ergebnis hat. Von 36-48 Stunden ist die Rede. Auf einmal ist alles anders – es bleibt jetzt nur eine einzige Option – sofort in die häusliche Quarantäne…