Tag 1

Der Schock ist da – und klingt allmählich wieder ab

Jetzt steht man da – mit zwei Zetteln (Ergebnis des Schnelltests und QR-Code für das spätere PCR-Testergebnis) in der Hand und ganz viel Unruhe im Kopf. Der Verstand wünscht sich eine gewohnt kontrolliert-strukturierte Planung der weiteren Vorgehensweise, Herz und Seele haben nachvollziehbar erstmal ganz andere Sorgen: Wie geht’s jetzt weiter?

Das Ergebnis, das man sich beim Schnelltest nun gerade nicht wünscht…

Wo um alles in der Welt kann ich mich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen angesteckt haben? Wieso ist gerade jetzt der Schnelltest positiv ausgefallen? Womöglich (hoffentlich) ist er falsch-positiv? Wen muss ich jetzt alles informieren? Was sind jetzt die nächsten Schritte? Was darf ich noch, was geht nicht mehr? Gefühlt wurde da für mich gerade eine Vollbremsung eingeleitet und ich höre aus den Kulissen schon genüsslich wahlweise Brecht oder John Lennon bezüglich des Lebens und der menschlichen Pläne zitiert…

Als erstes führt der Weg direkt zurück nach Hause. Beruhigen. Atmen nicht vergessen. Das Durcheinander im Kopf sich legen lassen. Prioritäten herausfinden. Strukturen schaffen. Vernünftig vorgehen wollen. Akzeptieren müssen, dass diese Ausnahmesituation erst einmal zur Normalität werden wird.

Als erstes rufe ich die einzigen beiden Menschen, die ich vor 3 Tagen ohne Maske getroffen habe, an und bitte sie, ebenfalls zeitnah einen Schnelltest zu machen. Später stellt sich dieser – Gott sei Dank – als negativ heraus. Dann muss ich denen absagen, die ich in der nächsten Zeit besuchen wollte und auf deren Wiedersehen ich mich nach langer Pause so sehr gefreut hatte. Dann meinen Arbeitgeber informieren, dass ich nach den Feiertagen nicht in die Firma kommen darf. Freunden und lieben Menschen schreiben, was passiert ist und wie ich mich fühle. Ich bekomme umgehend so viele gute Wünsche und Gedanken zurück, dass es schon sehr hilft, dass die Aufregung sich zu legen beginnt.

Am meisten wurmt mich ja die Tatsache, dass ich nun auch meinen schon vor längerer Zeit für übermorgen längst gebuchten Impftermin im Impfzentrum wieder canceln muss. Zwei Tage vor der ersten Impfe ein positives Schnelltestergebnis! Wer schreibt, bitteschön, solche Drehbücher?! Hilft aber alles nichts – eingeloggt ins Impfportal und Termine gelöscht.

Aber dann ist ja heute Abend noch das ESC-Finale aus Rotterdam! Letztes Jahr ausgefallen, davor noch in großer Runde begangen, heute Abend ganz allein vor dem Fernseher… aber per Social Media verbunden mit ganz vielen anderen ESC-Verrückten ist es ein Event, auf das ich mich jetzt aber mal so richtig freue!

Allmählich wird der Kopf klarer, jetzt kann ich mich auch mal um die „Grundbedürfnisse” kümmern: habe ich eigentlich genug zu essen im Haus?! Die erste Inventur erbringt so ein eher mittelprächtiges Ergebnis. Denn selber einkaufen darf ich ja jetzt erst einmal nicht mehr. Aber es gibt doch da diesen neuen Lieferservice, in dessen Zustellgebiet ich rein zufällig falle und der Lebensmittel innerhalb von 12(!) Minuten ganz „FLINK” zuzustellen verspricht. Das ist doch mal die Gelegenheit, das Notwendige mit dem Praktischen zu verbinden: ich klicke mich durch die App, stelle meinen Einkaufszettel zusammen, bestelle – und tatsächlich sind die beiden Tüten noch vor Ablauf der 12 Minuten gebracht! Und dass, obwohl der radelnd-flitzende Zusteller ausgerechnet während eines Wolkenbruchs sich auf den Weg zu mir machen musste. Der Kühlschrank ist wieder voll, das (neue) Leben kann weitergehen.

Noch ist die Unruhe da, noch Energie, die umgesetzt werden möchte: ach ja, die Hausarbeit. Sie erledigt sich auch in Quarantäne nach wie vor nicht von alleine. Damit bin ich nun erst einmal eine Weile beschäftigt. Und da ich auf absehbare Zeit meine Wohnung nicht verlassen werde, fällt sie mal wieder etwas gründlicher aus. Ob und wie ich es mir in meinen eigenen vier Wänden nun schön mache (oder schön habe) – es könnte nicht ganz unwichtig für die nächste Zeit sein. Sogar meine Rosen geben sich auch nach einer Woche „Standzeit” immer noch Mühe…

Am Ende des Tages hat sich die erste Aufregung gelegt – und ich kann jetzt bei einem guten Gläschen noch das Grand Final des ESC 2021 genießen. Schade, dass der deutsche locker-luftige Beitrag so punktarm blieb – trotzdem: thank you for this amazing show tonight!

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